Begrüßung
Sehr geehrter Herr Dr. Binsack,
sehr geehrte Frau Abgeordnete Lanzinger,
sehr geehrter Herr Präsident Linstädt,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich darf ihnen zunächst die herzlichsten Grüße von Frau Staatsministerin Christa Stewens übermitteln. Sie bedauert sehr, dass sie heute nicht hier sein kann. Wer sie kennt, weiß, wie sehr sie dem Hospizgedanken verbunden ist und die Schirmherrschaft für die Bayerische Stiftung Hospiz und diese Fachtagung aus Überzeugung für die Sache übernommen hat. Sie hat mich gebeten, sie zu vertreten.
Ich möchte mit einem kurzen Bericht einer Hospizhelferin beginnen:
"Mein kürzester Einsatz war bei einem sterbenden, 69jährigen Mann. Er hatte
Alzheimer im weit fortgeschrittenen Stadium und Magenkrebs, der nicht mehr
operiert wurde. Die Angehörigen entschieden gemeinsam mit den Ärzten, dass er in
Ruhe zu Hause sterben solle.
Im umgeräumten Esszimmer stand das Krankenbett und die Frau versorgte ihn liebevoll mit Hilfe der Pflegekräfte der Sozialstation, die 2 mal am Tag kamen.
Er reagierte nicht auf Ansprechen oder Berührung, hielt die Augen geschossen oder starrte ins Leere. Ich konnte ihm nur regelmäßig den Mund befeuchten, wobei er ein wenig das Gesicht verzog und manchmal schien mir, dass er lächelte. Gelegentlich streichelte ich seine Hand und sprach nur einige Worte. Ich saß die meiste Zeit im stillen Gebet oder lesend. Es war ein fühlbar tiefer Friede im Raum. Nach 14 Tagen starb er und ich bin mir sicher, dass es für ihn nichts besseres geben konnte, als in diesem vertrauten und liebevollen Umfeld sein Leben zu vollenden."
Dieses Beispiel, das die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Angehörigen, Pflegekräften und Hospizhelfern so anschaulich verdeutlicht, ist leider nicht die Regel. Die Veränderungen im Zuge der Entwicklung der modernen Medizin und des Ausbaus des Krankenhauswesens haben dazu geführt, dass Schwerstkranke und Sterbende in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend zur Behandlung (eigentlich zum Sterben) in stationäre Einrichtungen eingewiesen werden.
Der Prozess des Sterbens wurde mehr und mehr aus der Familie, aus dem Leben ausgegrenzt und ist in die Verborgenheit der Institutionen verschwunden.
Es ist das Verdienst der Hospizbewegung, dass hier in den letzten Jahren ein Umdenkungsprozess begonnen hat.
Ursprünglich war ein Hospiz eine Herberge für Reisende. Heute dient der Begriff Hospiz als Symbol für die umfassende und ganzheitliche Begleitung eines unheilbar Kranken in der Endphase seines Lebens. Hospiz ist ein Konzept, eine Haltung, eine Einstellung.
Sterbenden ein Leben in Würde bis zuletzt zu ermöglichen, ist nicht nur Ziel der Hospizbewegung, sondern Merkmal jeder humanen Gemeinschaft. Die Begleitung Sterbender ist immer auch ein Zeichen gelebter Solidarität.
Seit dem unermüdlichen Wirken von Pater Iblacker Anfang der 70iger Jahre, dem spiritus rector, nicht nur der bayerischen, sondern der deutschen Hospizbewegung hat sich viel getan.
Wir haben in Bayern ein flächendeckendes Netz mit rund 114 Hospizvereinen mit ca. 3.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die rund um die Uhr Schwerstkranke und Sterbende begleiten.
Der Freistaat förderte dieses Engagement zunächst über das "Bayerische Netzwerk Pflege" und jetzt durch die Bayerische Stiftung Hospiz.
Aus der Hospizbewegung heraus wurde mit Unterstützung des Freistaates Bayern 1999 die Bayerische Stiftung Hospiz ins Leben gerufen. Sie verfügt heute über ein Grundstockvermögen von 3,57 Mio. € und hat bisher rund 500.000 € für den Stiftungszweck ausgereicht.
Der Freistaat Bayern hat darüber hinaus seit 1997 insgesamt rund 4,6 Mio. € aus dem Sozialfonds für die Errichtung von stationären Hospizen und Palliativstationen an Krankenhäusern sowie von Akademien für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit in Bamberg, Würzburg und München bereitgestellt.
Heute verfügen wir über
14 Palliativstationen mit 129 Betten und
7 stationäre Hospize mit insgesamt rd. 56 Plätzen, die dann übernehmen, wenn die Versorgung zu Hause nicht mehr möglich ist. Zwei weitere Einrichtungen befinden sich gerade im Bau, sodass demnächst 76 Hospizplätze zur Verfügung stehen werden.Wir haben aber auch ein flächendeckendes Netz mit rund 1.600 ambulanten Pflegediensten deren Auf- und Ausbau in den Jahren vor Einführung der Pflegeversicherung mit rund 150 Mio. € staatlich gefördert wurde.




