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NORDBAYERISCHER KURIER
"Sterbende fröhlich machen"
Hospizverband will sich stärker auf Alten- und Pflegeheime konzentrieren
MÜNCHEN Von Anja-Maria Meister, RNT
"Sterbebegleitung muss überall da verbessert werden, wo Menschen sterben",
sagt Sozialministerin Christa Stewens. Wo Menschen sterben – das sind zu 50
Prozent Alten- oder Pflegeheime, weiß Christine Denzler-Labisch, die Vorsitzende
des Bayerischen Hospizverbandes. Deshalb richtete sich eine Fachtagung der
Hospizstiftung in Freising vor allem an Mitarbeiter und Leiter solcher
Einrichtungen.
"Wir haben uns bisher vor allem um unheilbar Kranke gekümmert", berichtet die
Bambergerin Denzler-Labisch über die Hospiz-Bewegung, "aber Alten- und
Pflegeheime haben wir vernachlässigt." Dabei sei dort der Bedarf an
Sterbebegleitung besonders hoch. Ein Grundprinzip der Hospiz-Bewegung lautet
nämlich: Der Mensch soll in seiner vertrauten Umgebung, in seinem Zuhause
sterben können, weil sich dies schlicht die meisten Menschen wünschen. "Wir sind
für die Menschen am Ende ihres Lebens das Zuhause", berichtet Maria Renz,
Sozialpsychologin in einem Münchner Altenheim.
Auch wenn die letzten Lebensstunden oft dann doch in Krankenhäusern stattfinden:
Unsichere Rechtslage, Bedenken wegen der Angehörigen veranlassen laut Renz die
Heim-Mitarbeiter, die Sterbenden in die Obhut der Mediziner zu geben. Allerdings
geht es gar nicht um die letzten Stunden, sondern um das Abschied nehmen, die
Vorbereitung auf den Tod, die Monate dauern kann. Deshalb beschäftigen sich
Maria Renz und ihre Kollegin Barbara Schneider mit Sterbebegleitung: "Es geht in
unserem Job nicht nur darum, die Menschen einfach zu beschäftigen", sagt
Schneider, "wir wollen sie auch fröhlich machen." Allerdings gibt es noch keine
flächendeckende Sterbebegleitung in den bayerischen Heimen. "Oft fürchten die
Träger, wir würden uns einmischen", berichtet Denzler-Labisch. Deshalb sind
Aufklärungsarbeit, Kooperation und Koordination nötig.
"Jede Berufsgruppe muss miteinbezogen werden", fordert Andreas Heller, Professor
für Palliative Care in Österreich. Darüber hinaus müssten – bei aller
Individualität eines jeden Sterbenden – vom Hospiz-Gedanken geprägte Standards
in der Regelversorgung eingeführt werden.
Pfleger überlastet
Die Innere Mission in München erprobt dies gerade in fünf Häusern und hat offenbar nur gute Erfahrungen gemacht: Beteiligte berichteten, wie die Bewohner der Heime aufblühten, die letzten Monate noch lebensfroh verbrachten, und dass auch die Mitarbeiteremotional profitierten. Allerdings, dies war die Sorgen nahezu aller 160 Tagungsteilnehmer, haben die Pflegekräfte in den Heimen ohnehin wenig Zeit für die Grundversorgung der Heimbewohner, und eine Frau sagt bitter: "Da sind stundenlange sterbebegleitende Gespräche nicht auch noch drin."
06.11.2002




