Wo Worte fehlen
Niemand ist so schwach, daß er nicht noch etwas lernen könnte ... Hospiz ist ein Ort des Lebens und wo gelebt wird, kann auch gemalt werden. Ein Mensch, der zu den Farben greift, läßt sich ein auf einen schöpferischen Dialog mit seiner Innen- und Außenwelt. Die hier vorgestellten Bilder sind entstanden in der künstlerischen Arbeit der Palliativstation "Johanneshospiz" am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München und des dort angebundenen ambulanten Hospizes der Caritas.
Kunstbegleitung, nicht Kunsttherapie heißt das Angebot, weil der Mensch am Ende seines Lebens nicht in erster Linie therapiebedürftig ist. Das Malen auf kleinstem Raum, oft im Bett, soll vor allem Freude machen.
Die in unserer Arbeit entstandenen und nun einem weiteren Kreis von Betrachtern zugänglich gemachten Bilder sprechen ihre eigene Sprache ohne Worte. Sie sind mit ihren Farben gelebtes Leben: Gelebter Augenblick – festgehalten in der Zeit. Innenbilder des Lebens, zeitlich entstanden und zeitlos gültig. Farbe und Form als Sprache, wo Worte fehlen.
Wer dem Hospizgedanken verpflichtet ist, geht achtsam mit Sterbenden um und behütet sie in ihrem Alleinsein. Am Ende des Lebens geht jeder in die Einsamkeit. Einsamkeit, das heißt: mit Schmerzen bei sich ankommen. Die Bilder, gemalt in der Nähe zum eigenen Tod, erzählen uns von den Räumen des Alleinseins, die wir in ihrem Geheimnis achten und behüten sollen.
Bilder sind geliehenes Leben, das wir anschauen dürfen. Es ist fremdes Leben, in dem wir uns das eine oder andere Mal spiegeln. Die vorgestellten Bilder sind Anreden, die uns zur Antwort und zur Stellungnahme herausfordern. Die Themen des Todes und des Sterbens gehen uns alle an, nicht nur die Betroffenen. Jeder muß Stellung beziehen: Zu seinem eigenen Tod, zum Tod der anderen, damit auch zu seinem gegenwärtigen Leben.
Horst liebte die Karibik.
Sein Wunsch war, einen leichten und klaren Himmel malen zu können. Obwohl eine
Menge Farben vorhanden, wählte er die Farbe Rot für den Himmel. Rot: die Farbe
des Schmerzes. Mitten auf dem Bild ist eine Türe zu sehen: "Ist diese Türe auch
in der Karibik?" – "Nein". meinte er: dies ist meine
Türe, meine Palme, mein
Himmel, der näherkommt. – Eines Tages werde ich diese Türe öffnen."
Öffnen – offen sein für den letzten Weg – durch die Türe gehen, um anzukommen ...

Marianne Kraus
Kunstmalerin
Die Bilder können für Ausstellungszwecke kostenlos bei der Bayerischen Stiftung Hospiz ausgeliehen werden. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Stiftungsverwaltung (Tel.: 0921/605-3335 oder -3350).















